Die Ursachen und Folgen des Bullwhip-Effektes in der Supply-Chain können mit einer Fülle an Maßnahmen reduziert bzw. verhindert werden. Vor allem ist die Verbesserung des Informationsaustausches zwischen den verschiedenen Ebenen der Supply-Chain als Schlüsselerfolgsfaktor zu nennen. Des Weiteren wirken sich eine Zentralisierung der Disposition sowie eine Verkürzung der Reaktionszeiten positiv für die Leistungsfähigkeit der Supply-Chain aus.
1. Das Teilen von Information zwischen Partnern einer Supply-Chain wird als Informationsintegration bezeichnet. Hierbei sind all jene Daten von Interesse, die einen Einfluss auf die Handlungen oder Leistungen eines Gliedes in der Kette haben. Beispielhaft sind Nachfrage- und Lagerbestandsdaten, Produktionspläne sowie Pläne über zukünftige Rabattaktionen zu nennen. Firmenintern werden meist MRP-, DRP- oder ERP-Systeme zur Verwaltung dieser Informationen eingesetzt.
2. Neben der Informationsintegration ist eine Anpassung der Prozesse innerhalb der Lieferkette eine weitere, wichtige Maßnahme, um deren Effektivität und Effizienz zu erhöhen. Eine zentrale Kontrolle der Wiederbeschaffung auf Basis realer Konsumentennachfrage vermindert das Problem der mehrfachen und unsicheren Nachfragevorhersage und hilft somit, den Bullwhip-Effekt zu vermindern. Voraussetzungen hierfür sind das Teilen der Point-of-Sales-Daten (POS) und das gegenseitige Vertrauen der Partner in der Lieferkette.
3. Eine Strategie zu einer effizienten Lagerauffüllung ist das sog. Vendor Managed Inventory (VMI). Hierbei wird die Verantwortung für alle Entscheidungen bezüglich seiner Bestände beim Händler bzw. Großhändler an den Zulieferer oder Hersteller übertragen. Somit besitzt das Unternehmen – innerhalb vertraglich vereinbarter Grenzen – die Kontrolle über Vorratsmenge, Nachfüllzeitpunkt und Lieferung seiner Waren bei allen Distributoren. Das Ziel der meisten VMI-Programme ist es, die Kontrolle über die Bestände und deren finanzielle Verantwortung vollständig dem Käufer zu überlassen und eine Zentralisierung auf einer Stufe zu erreichen.
Neben Maßnahmen zur Verbesserung des Bestandsmanagements wirken auch Strategien zur Verbesserung des Materialflusses dem Bullwhip-Effekt in der Supply-Chain entgegen.
1. Beispielhaft ist hier die Direktlieferung, bei der der Hersteller seine Ware direkt ohne Umweg über Zwischenlager an den Händler liefert, als auch der Einsatz von zentralen Verteilerlagern zu nennen. Bei letzterem werden meist in geographisch unterteilten Regionen große Distributionszentren geschaffen, von denen die Versorgung mehrerer Abnehmer gewährleistet wird. An dieser Stelle wird aber aufgrund der Eingrenzung dieser Arbeit nur auf das sog. Cross-Docking als Methode zur Optimierung des Materialflusses in der Lieferkette näher eingegangen.
2. Beim Cross-Docking werden zentrale Distributionszentren nicht als Warenlager, sondern lediglich als Warenumschlagplatz genutzt. Verschiedene Hersteller liefern dort ihre Produkte an, welche so schnell wie möglich auf die abgehenden Lieferungen an die Händler verteilt werden. Dabei befinden sich die Waren meist nur für die für das Umladen benötigte Zeit im Warenlager. Es besteht keine Notwendigkeit für das Halten von Pufferlagern. Dadurch ergibt sich der Vorteil der geringen Lagerkosten, aber auch die Durchlaufzeiten werden durch den Einsatz des Cross-Docking-Systems deutlich vermindert. Allerdings ist die Methode nur für große Distributionsnetzwerke mit einer hohen Zahl an ein- und ausgehenden Lieferungen und großen, prognostizierbaren Mengen geeignet.
Der Bullwhip-Effekt ist eine Folge des Bestrebens der einzelnen Lieferkettenstufen nach Optimierung. Dieses Bestreben erfolgt lokal und basiert auf begrenzt zur Verfügung stehenden Informationen. Dies mag für das einzelne Mitglied der Supply-Chain ökonomisch rational wirken, ganzheitlich betrachtet aber einen negativen Effekt mit sich bringen. Aus diesem Grund gibt es Strategien, um eine unternehmensübergreifende und globale Optimierung zu erreichen.
1. Eine dieser Strategien ist Efficient Consumer Response (ECR), welches durch eine verbesserte Zusammenarbeit eine Optimierung der Waren- und Informationsströme erreichen will. Hauptfokus der Strategie sind die Steuerung der gesamten Supply-Chain durch den Kunden auf Basis der POS-Daten und die enge Kooperation aller beteiligten Unternehmen. Das Konzept basiert auf vier Säulen: effiziente Filialsortimente, effiziente Absatzförderung, effiziente Produkteinführung und effizienter Warennachschub. Voraussetzung für ECR ist ein integriertes Informationssystem sowie die gewährleistete Verfügbarkeit der POS-Daten. Außerdem werden für dessen Erfolg optimale, logistische Prozesse benötigt, was durch Maßnahmen wie z. B. Cross-Docking erreicht werden kann. Somit stellt ECR eine Kombination aus bekannten Methoden dar, jedoch ist die integrierte Nutzung dieser neu.
2. Collaborative Planning, Forecasting and Replenishment (CPFR) stellt eine weitere Strategie zur unternehmensübergreifenden Optimierung der Lieferkette dar. Hierbei werden Maßnahmen zur Verbesserung des Bestandsmanagement wie beispielsweise VMI durch Komponenten zur gemeinsamen Planung und Vorhersagen erweitert. Informationen über Geschäftspläne, Prognosen, historische Verkaufsverläufe und geplante Rabattaktionen werden mittels Electronic Data Interchange geteilt. Es erfolgt eine synchronisierte Planung, welche auf einem Abgleich der geplanten Verkaufsmenge des Händlers und der geplanten Produktionsmenge des Herstellers basiert. Bei CPFR ist hervorzuheben, dass die Planung von den Partnern gemeinsam durchgeführt wird. Hierzu ist erneut die Bereitschaft der beteiligten Parteien zur Kooperation als Voraussetzung zu nennen. Des Weiteren werden auch bei CPFR effiziente Informationssysteme zum Austausch der Daten benötigt, wobei sich das Internet als kostengünstige Kommunikationsplattform anbietet. Beispielsweise kann hier das bereits vorgestellte Prinzip des Information-Hubs zur Anwendung kommen. Realisierungen sind z. B. bei Wal-Mart und P&G sowie bei Henkel und Eroski zu finden.
